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07-09-2011

Extremer Nettoverschuldungsgrad der Telekom Austria

Vera Sutedja, Research CEE Telekom, Erste Group

Telekom-Sektor leidet nach wie vor unter gedämpften Konsum- und Staatsausgaben – Stabilisierung für 2012 erwartet. „Die Ergebnisse des 2Q11 zeigten, dass sich der Telekom - Sektor noch nicht erholt hat. Die meisten der von uns analysierten CEE - Unternehmen wie Telefónica O2 CR, Telekom Austria, TPSA und Magyar Telekom verzeichneten für das 2Q11 einen gegenüber den Vorquartalen verstärkten Umsatzrückgang. Obwohl die operative Performance des CEE-Telekom - Sektors nach wie vor eher schwach ist, hat sich die Bewertung des Sektors schon gut entwickelt und ist weit voraus“, so Vera Sutedja, CEE -Telekom - Analystin der Erste Group. Rückläufige Erträge in den traditionellen Segmenten Festnetz und Mobilfunk stellen weiterhin ein Hauptproblem des Sektors dar. Verantwortlich dafür waren der Ersatz von Festnetz - durch Mobiltelefone, der Umstieg auf VoIP, günstigere Tarifpakete, die Senkung mobiler Terminierungsentgelte und der Roaminggebühren sowie der Wettbewerb. Zum Ausgleich für die rückläufigen Erlöse aus der Sprachkommunikation setzen die Unternehmen nun verstärkt auf mobiles Breitband-Internet, Smartphones, pay TV (IPTV, Satelliten - und Kabel -TV), Festnetz - Breitband - Internet und Dienstleistungen in den Bereichen IT und Energiehandel. „Wir erwarten, dass die Ergebnisse im 2H 2011 auf Grund saisonaler Effekte sowie des Wachstums im mobilen Datenverkehr und im IKT - Segment über jenen des 1H 2011 liegen werden.“

Konsum- und Staatsausgaben beflügeln Wachstum im 2H 2011
„Die jüngsten Ergebnisse für das 2Q11 bestätigen, dass der Sektor nach wie vor mit schwachen Konsum- und Staatsausgaben zu kämpfen hatte, während Unternehmenskunden ihre Verträge neu verhandelten oder auf andere Weise versuchten, ihre Kommunikationskosten zu senken. Wir erwarten, dass sich der Sektor 2012 stabilisieren wird, sobald sich der Rückgang der Entgelte und des EBITDA nicht weiter beschleunigt. Dies könnte vor allem durch eine Erhöhung der Ausgaben seitens der Konsumenten und der öffentlichen Hand ermöglicht werden“, prognostiziert Sutedja.

Wachstum des mobilen Datenverkehrs stützt den Sektor
Die Umsätze mit der Festnetz- und Mobilsprachkommunikation, die im Jahr 2011 in etwa 53,9% der EU25 Telekom-Dienstleistungen ausmachten, sollten 2011 y/y um 4,31% auf EUR 152,2 Mrd sinken[2]. Der Umsatzrückgang in der Festnetz-Sprachkommunikation ist weitgehend durch die Substitution von Festnetz durch Mobiltelefone zu erklären. Die etablierten Telekomgesellschaften versuchten, den Rückgang in der Festnetznutzung durch preisgünstige Minuten- oder Produktpakete und eine Mindestvertragsdauer von 12-24 Monaten zu verlangsamen, wenn nicht sogar umzukehren.

Der Konkurrenzdruck, die Marktsättigung und die Senkung mobiler Terminierungsentgelte führten zu rückläufigen Tarifen im Bereich der Mobiltelefonie. Laut dem EU-Kommissionsbericht von Teligen lagen die Mobiltarife 2010 um 30-40% unter jenen des Jahres 2006. Im Vergleich dazu sanken die Gebühren für Festnetztelefonie kaum – Inlandsgespräche wurden nur um 4% billiger, Ortsgespräche sogar um 18% teurer. Als größter Konkurrent des Festnetz-Breitbands konnte das mobile Breitband über Datenkarten oder Dongles weitere kräftige Zuwächse verzeichnen.

Ausblick
Die Analysten der Erste Group erwarten für 2012 vor allem dank höherer Konsum- und Staatsausgaben in der CEE-Region eine erste Stabilisierung der Umsätze und des EBITDA im Telekom-Sektor. Die wirtschaftliche Erholung beruhte in CEE im Wesentlichen auf der Exportwirtschaft. Der nächste Schritt auf dem Weg zur völligen Erholung der Wirtschaft wäre nun ein stärkeres Wachstum des Privatkonsums. Allerdings hat sich der Arbeitsmarkt in der Region nicht wesentlich verbessert, und die Konsolidierung der staatlichen Haushalte dämpft das Konsumverhalten. Die Analysten der Erste Group erwarten in diesem Bereich für 2012 eine deutliche Verbesserung. Damit bleibt als Problem noch der Druck seitens der Regulierungsbehörden. Die EU - Kommission empfiehlt bis Ende 2012 eine Senkung der mobilen Terminierungsentgelte auf 1,5 bis 3 Eurocent pro Minute. In Ungarn, Kroatien und der Tschechischen Republik werden die mobilen Terminierungsentgelte dieses/nächstes Jahr kräftig reduziert. Der Wettbewerbsdruck bleibt nach wie vor hoch. Der Schwerpunkt der Werbemaßnahmen hat sich auf den mobilen Datenverkehr verlagert.

Turk Telekom bleibt Topempfehlung
Als Topempfehlung nennen die Analysten der Erste Group Turk Telekom. Dieses Unternehmen bietet gegenüber den anderen Telekoms des von der Erste Group analysierten Universums die stärkste operative Performance. Dank der geringen Konkurrenz kann Turk Telekom im Festnetzgeschäft seine EBITDA-Marge von 49-50% halten. Die geringe Breitband- und Pay TV-Penetration bietet Wachstumspotenzial für ADSL und IPTV. Über die Mobilfunktochter Avea profitiert Turk Telekom von der zunehmenden Nutzung von mobilem Breitband und der Mobilfunk-Penetration.
Die Akkumulieren-Empfehlung für Telekom Slovenija wurde von den Investoren der Erste Group bestätigt. Magyar Telekom wurde von Akkumulieren auf Halten herabgestuft, da die Reduzierung der Betriebskosten an Dynamik verloren hat. Außerdem sollte die hohe CHF-Verschuldung der Haushalte und Gemeinden die Erholung der Konsum- und Staatsausgaben dämpfen.
Die Verkauf-Empfehlung für Telekom Austria wurde von den Analysten angesichts der sehr schwachen Eigenkapitalquote und des extrem hohen Nettoverschuldungsgrades bestätigt.
Die Analysten wiederholen ihre Halten-Empfehlung für Telefónica O2 CR, senken auf Grund der gesunkenen Gewinnschätzung aber das Kursziel.
TPSA wurde von den Analysten der Erste Group bei unverändertem Kursziel von Verkaufen auf Reduzieren hinaufgestuft.
Die Analysten bleiben bei ihrer Halten-Empfehlung für T-Hrvatski Telekom, da das aktuelle Kursniveau bereits die potenziellen niedrigeren Roaming-Umsätze nach dem EU-Beitritt widerspiegeln sollte.

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